

Rückblick PhilTalk 3/26
Förderpartnerschaften

Nach dem Gespräch mit den beiden Gästen, als die Diskussion unter den Teilnehmenden gefragt war, blieb es zuerst einmal still. Ganz still. Ratlosigkeit schien sich breit zu machen. Kann das sein, all diese Harmonie zwischen der fördernden Stiftung und der Uni, wie sie im Gespräch so gekonnt und eloquent präsentiert wurde? Und diese grossen Beträge, um die es da geht …
Ein mutiger Teilnehmer wagte sich schliesslich vor: Was er gehört habe, sei ja alles wunderbar und eine großartige Story. Mit der Realität von kleinen und mittleren Förderstiftungen habe das aber wenig zu tun; das seien Geschichten «wie von einem anderen Planeten». Er fühle sich da gerade nicht gut abgeholt.
Lebendige Diskussion
Dies brach das Eis. Und es begann unter den 14 Anwesenden eine rege Diskussion über viele praktische Fragen in der Zusammenarbeit mit Projektträgern: So zum Beispiel wie man gegenseitiges Vertrauen aufbauen kann; wie wichtig der menschliche Faktor in einer Zusammenarbeit ist; wieviel man von einem schriftlichen Reporting verlangen darf usw.
Unterschiedliche Modelle
Es wurde deutlich, dass Inhalt, Form und Umfang einer Zusammenarbeit sehr unterschiedlich sein können und abhängen von den jeweiligen Bedürfnissen der Förderstiftung und den tatsächlichen Möglichkeiten der geförderten Organisationen. Folgende Stufung hat sich bewährt:
• Teilhabe: Information, periodisches Reporting, Einblick in den Projektverlauf, Austausch, praktisches (Mit-) Erleben, Vernetzung etc.
• Mitgestaltung: Gemeinsame Vereinbarung der Ziele, des Projektaufbaus und Projektverlaufs sowie des Budgets (Projektdesign)
• Mitwirkung: Coaching, Einbringen von Fachwissen, strategisches Mit-Steuern bei der Projektumsetzung
Diese Stufung lässt sich auch zwangslos anwenden auf die Förderung von Individuen (z.B. von Musikern mit Ausleihe von Instrumenten und Stipendien), dies unter leichter Anpassung der Instrumente.
Teilhabe: Standardisiert und individuell
Bei kleineren Projekten mit ein paar Tausend Franken Fördergeldern dürfte meistens die Möglichkeit zur Teilhabe genügen, dies auch eher standardisiert und formalisiert statt individualisiert, um den Aufwand beidseitig in Grenzen zu halten. Bei grösseren und komplexeren Projekten kann sich eine Förderpartnerschaft aus guten Gründen ebenfalls auf eine Teilhabe beschränken, die eingesetzten Instrumente sind dabei aber oft in hohem Masse elastisch und individualisiert.
Mitgestaltung und Mitwirkung erfordern Fachwissen und Zeit
Besonders die Mitgestaltung des Projektdesigns (Stufe 2) und die Mitwirkung in der Umsetzung (Stufe 3) setzen bei der Förderstiftung ein solides fachliches Verständnis voraus und ziehen zumeist auch ein merkliches zeitliches Engagement nach sich. Kleinere und mittlere Förderstiftungen stossen da rasch an ihre natürlichen Grenzen.
Hilfreich: Eigene Förderpolitik ist definiert und offen kommuniziert
Unabhängig davon, für welches Modell resp. welche Stufe einer Förderpartnerschaft sich eine Förderstiftung entscheidet: Sie gelingt besser, wenn die Förderstiftung für sich selbst eine klare Förderpolitik definiert hat, diese nach aussen kommuniziert (Spheriq), damit die Projektpartner von Anfang an wissen, was von ihnen erwartet wird, und wenn sie bei der Projektrealisation gegenüber den Projektträgern genauso verlässlich wie verständnisvoll und konsequent agiert.
Und der Mutige? «Ganz toller Abend!»
Jermaine Sprosse begeisterte
Das musikalische Intermezzo mit Jermaine Sprosse und seinem intimen und filigranen Spiel auf dem Klavichord und dem mächtigen Abschluss auf dem Bechstein Flügel war eine wunderschöne Abrundung eines erfolgreichen Abends.


